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Was alle frischgebackenen Eltern wissen sollten

ihnen aber niemand sagt

 

Es wird viel über die Dinge gesprochen die wichtig sind wenn jemand sein erstes Kind bekommt. Auch

wenn meist ein guter Grundgedanke dahinter steckt, so wird dadurch in erster Linie vermit

telt, wie gute Eltern sein müssen. Das erzeugt eine Menge Druck. Druck den keine werdende Mutter oder ein werdender Vater brauchen kann. Der Druck den du dir selbst machst ist schon groß genug. Das Einzige was ihr hören solltet ist: „Du schaffst das, du wirst deinen Weg finden und bestimmt eine ganz großartige Mutter oder großartiger Vater werden.“ Doch leider wird dieser Satz nur selten von anderen ausgesprochen. Zumindest war es bei mir und bei vielen anderen Müttern so mit denen ich gesprochen habe. Sollte es bei dir anders sein, dann kannst du dich wirklich glücklich schätzen.

 

Neben allen Verunsicherungen, Ratschlägen, alten Weisheiten und Überlegungen was du noch erledigen und besorgen musst ist nur eines ganz sicher: Du wirst von Anfang an dein Bestes geben und das alleine macht dich schon zu einer guten Mutter oder einem guten Vater. Ich finde es schade, dass in unserer Gesellschaft nicht nur politisch, sondern gerade beim Thema Baby und Mutter starkes Schwarz-Weiß-Denken vorherrscht. Das geht bei der Geburt los, über das Thema Stillen oder Flaschennahrung, Familienbett, Tragen oder Kinderwagen und und und. Vielleicht ist dir diese Kuriosität bereits aufgefallen, dass ab dem Zeitpunkt, wo du ein Baby hast oder bekommst, auf einmal jeder eine Meinung zu deinem bzw. eurem Leben hat. Grenzen werden ständig überschritten und du bist emotional in deiner neuen Rolle noch nicht gefestigt genug und lässt diese Überschreitungen zu. Das verstärkt die Angst und deine Unsicherheit. Auch gut gemeinte Ratschläge werden eher als nett formulierte Kritik wahrgenommen und sind häufig vermutlich häufig auch tatsächlich so gemeint. Selbst wenn das nur die wenigsten Leute zugeben würden.

 

Wenn du dein erstes Kind bekommst oder schon bekommen hast, dann hast du ein Wunder erlebt und es kommt eine unfassbar schöne Zeit auf dich zu. Aber es wird auch anstrengend. Eine Zeit vieler Ängste und offener Fragen.

Mein Artikel hat als Ziel, dir dabei zu helfen mehr Selbstvertrauen in deiner neuen Rolle als Mutter aufzubauen. Vertrauen in dich und auch in dein Baby. Vertrauen in euch als Mutter und Kind.

 

Zu Beginn möchte ich dir nur eines sagen. Wenn du es zulässt, wird dich dieses kleine Wunder dazu bringen zu der bestmöglichen Variante von dir selbst heranzuwachsen. Damit du das früh erreichst, ist es wichtig zu vertrauen. Vertrauen auf dein Bauchgefühl, deine Instinkte. Und viel wichtiger, auch wenn dein neugeborenes Baby so unsicher und verletzlich erscheint, es weiß doch alles Notwendige ganz genau. Vertrau auf die Signale die es dir gibt. Versuche dich nicht verunsichern zu lassen. Es gibt kein Richtig oder Falsch. Jegliche Formen von Gewalt oder gesundheitsgefährdende Dinge sind hier natürlich ausgenommen. Es gibt nur dich und dein Baby als vollkommene Individuen.

Ich habe versucht in diesem Artikel die Meilensteine der ersten Zeit zusammenzufassen. Es gibt unfassbar viel zu diesem Thema zu schreiben, das würde jedoch den Rahmen sprengen. Ich möchte dich hier bei der Geburt abholen und durch das Wochenbett, die Ernährung in den ersten Monaten, mit Baby unterwegs, Familie und Fremde und, natürlich ein zentrales Thema, das Schlafen führen. Ich wünsche dir viel Spaß beim Lesen und vielleicht erkennst du dich ja in der ein oder anderen Situation wieder.

 

Nach der Geburt

Du hast eine lange Zeit körperlicher Schmerzen, aber auch psychischer Herausforderungen hinter dir. Vielleicht hat die Geburt nur sehr kurz gedauert. Vielleicht war es auch, wie bei mir, eine ewig lange Zeit, eine Wehe nach der anderen. Ständig das Gefühl es gleich geschafft zu haben und sein kleines Wunder kennen zu lernen. Doch es passiert nie und am Ende folgt ein Notkaiserschnitt.

 

Das hat deinen Körper extrem viel Kraft gekostet. Aber auch psychisch kann es sehr belastend sein. Vielleicht gab es während dem Geburtsverlauf Komplikationen und immer wieder Phasen, in denen du dir um deinen Schatz Sorgen machen musstest. Wird alles gut gehen? Dauert es schon zu lange? Hat das Baby noch genug Kraft? All diese Fragen und noch viele mehr, wirst du dir vermutlich gestellt haben. Ich möchte hier nicht auf die Anstrengung der Geburt im Detail eingehen. Wie eine Geburt verläuft und empfunden wird ist völlig unterschiedlich und komplett subjektiv. Worauf ich jedoch eingehen möchte ist, dass es hier bereits beginnt. Der Einfluss von außen, die bereits stattgefundene Gehirnwäsche. Das Gefühl nicht selbst bestimmen zu können. Ein genaues Bild vor Augen wie eine gute Geburt für dein Baby auszusehen hat. Dies ist meiner Meinung nach einer der größten Fehler. Es gibt keinen Standardverlauf wie eine Geburt „gut“ ist. Jede Mama findet gemeinsam mit ihrem Kind einen völlig individuellen Weg wie der kleine Bauchzwerg auf die Welt kommt.

 

Vielleicht war es auch ein geplanter Kaiserschnitt? Aber auch hier, war es deshalb keine schlechte Geburt. Es war der Weg für den du dich entschieden hast. Instinktiv hast du bereits hier eine Entscheidung für euch getroffen. Diese kann nicht falsch sein. Primäres Ziel einer Geburt ist es doch, dass das Baby gesund und möglichst ohne Komplikationen auf diese Welt kommt und die Mutter diesen Vorgang gut übersteht. Wie das erreicht wird ist jedoch völlig individuell.

 

Bei vielen Frauen, auch bei mir, ist nach der Geburt das Gefühl versagt zu haben sehr stark. Dieses wird verstärkt, wenn während des Geburtsvorgangs Schmerzmittel verabreicht wurden oder es am Ende doch ein Kaiserschnitt war. Je stärker der Wunsch nach einer natürlichen Geburt war, die dann doch nicht möglich war, umso stärker ist möglicherweise dann auch das Gefühl als Frau und Mutter versagt zu haben. Ich hatte mit diesem Gefühl lange zu kämpfen. Doch das kostet nur unnötige Energie. Tatsache ist, jede Mama gibt ab dem Zeitpunkt wo sie Mutter wird und das beginnt bereits wenn sie weiß, dass sie schwanger ist, immer ihr Bestes. Genauso wirst du dein Bestes gegeben haben. Das macht dich bereits zu einer guten Mutter. Dein ganzer Körper verändert sich und stellt sich um und das Gute ist, du musst nichts aktiv dafür tun. Deine Sinne werden automatisch umgestellt, du lebst auch nach der Geburt in einer Symbiose mit deinem Baby weiter und deine Instinkte, oder das sogenannte Bauchgefühl, sagt dir immer was richtig und was falsch ist. Du musst nur lernen darauf zu vertrauen.

 

Die erste Woche nach der Geburt

Falls du dich nicht für eine Hausgeburt oder eine ambulante Geburt entschieden hast bleibst du vermutlich ca. 3 Tage im Krankenhaus. Es ist ganz unterschiedlich was welcher Mutter am angenehmsten erscheint. Ich habe mir in der Schwangerschaft immer gedacht ich würde am liebsten zu Hause oder ambulant entbinden. Dann kam aber alles anders. Im Endeffekt waren wir 7 Tage lang im Krankenhaus und es war genau richtig. Mach dir keinen Druck. Geh erst nach Hause wenn du dich dazu bereit fühlst und das Bedürfnis danach hast. Kein Krankenhaus wird dich zwingen nach drei Tagen nach Hause zu gehen. In meinem Fall war ein Notkaiserschnitt nötig und ich musste schon aus gesundheitlichen Gründen länger bleiben. Mein Mann und ich hatten das Glück ein Familienzimmer zu bekommen. So konnten wir drei uns in Ruhe kennenlernen.

 

Das Thema mit Besuch und „ich will das Baby kuscheln“

Jetzt ist das Baby endlich da. Schon lange hast du und vermutlich auch dein Partner sehnlichst auf diesen Moment gewartet. Doch ihr habt eine Geburt hinter euch. Vermutlich scheint alles noch ganz unwirklich. Ich konnte gar nicht glauben, dass mein Schatz in meinem Armen und nicht mehr in meinem Bauch war. Doch nicht nur ihr habt auf diesen Moment gewartet. Auch die werdenden Großeltern, Tanten und sonstige Verwandte und Freunde.

Die ersten Tage nach der Geburt reagiert jede Frau ganz unterschiedlich. Ich wäre am liebsten völlig ungestört alleine mit meinem Schatz gewesen. Wie lange? Ich weiß es nicht, ich hätte es vermutlich ausprobieren sollen. Aber ich spürte natürlich diesen Erwartungsdruck. Ich wusste, dass auch andere das kleine Wunder kennenlernen möchten.

Andere Frauen können es gar nicht erwarten, dass die Großeltern oder die Tanten und Onkel endlich kommen und sie ihnen ihr Baby vorstellen können.

Ich weiß nicht was auf dich zutrifft. Aber ich kann dir sagen, entscheide rein egoistisch. Deinem Baby fehlt nichts wenn ihr zu Beginn eine Zeit lang nur für euch seid, Ruhe ist maximal gut aber wird es nicht stören. Schließlich hatte auch dein Schatz eine anstrengende Geburt.

 

Manche stört es bereits ab der Geburt überhaupt nicht, wenn ihr kleiner Schatz von anderen Personen gehalten wird. Genauso empfindet auch das Baby das als nicht störend und fühlt sich wohl. Bei uns war es so, dass es sich sowohl für mich als auch für meinen Sohn falsch angefühlt hat. Er war meistens extrem unruhig wenn ihn jemand anderer berührt hat und ich hab es kaum ausgehalten ihn nicht bei mir zu haben. Viel zu oft habe ich mich und meinen Sohn dieser Situation ausgesetzt, weil ich mir dachte, das ist die Oma, die hat doch ein Recht darauf. Solltest du diese Gedanken haben, schiebe sie bitte weg. Wenn sich dein Baby unwohl fühlt reagiere und verändere etwas an der Situation. Niemand hat ein Recht auf irgendetwas wenn es um dein Baby geht. Es geht rein darum, die Bedürfnisse deines Kindes zu stillen und es keinen unnötigen Herausforderungen auszusetzen. Dein Kind sagt dir ganz genau was es möchte und egal wie du dich entscheidest es ist deine Entscheidung. Du weißt besonders in den ersten Jahren genau was das Richtige für dein Kind ist. Es kommuniziert dir ganz klar was es braucht und viel mehr sollte auch nicht sein.

 

Mein Sohn hat erst mit über 2 Jahren angefangen wirkliches Interesse an anderen zu zeigen. Es war sicher sehr schwer für Oma und Tante, aber er ist ein Individuum und als solches muss er auch wahrgenommen werden. Jedes Kind hat Rechte und muss selbst bestimmen dürfen. Das setzt voraus, dass die Signale gesehen werden. Das muss nicht immer in der Sekunde sein, aber sobald du es wahrnimmst solltest du reagieren. Zu Beginn kann dein kleiner Schatz noch nicht kommunizieren was er möchte oder eben nicht möchte. Das musst du übernehmen. Du beschützt dein Baby. Die Bedürfnisse der anderen sind in diesem Fall schlicht und ergreifend irrelevant, auch wenn es oft schwer fällt.

 

Soll ich stillen?

Ich habe mir in der Schwangerschaft überhaupt keine Gedanken zum Thema Stillen oder in irgendeiner Form zu Ernährung gemacht. Im Nachhinein betrachtet finde ich das ziemlich komisch, da es ja doch ein sehr wichtiges Thema ist. Mein einziges Ziel während dieser neun Monate war, dass mein Zwerg gesund auf die Welt kommt und weiter habe ich irgendwie nicht gedacht. Natürlich habe ich überlegt was ich an Erstausstattung brauche und solche praktisch orientierten Dinge, aber das Thema Ernährung kam mir irgendwie nie in den Sinn.

 

Ich hatte Glück, dass das Krankenhaus in dem ich entbunden habe sehr stillfreundlich ausgerichtet war. Für mich und meinen Sohn war es perfekt. Es hat sich von Beginn an richtig und natürlich angefühlt. Das kann aber niemand im Vorhinein wissen, deshalb kann ich dir nur raten es einfach auszuprobieren. Natürlich sprechen alle Statistiken für das Stillen. Ich möchte dir hier nicht die Vorteile aufzeigen, solche Artikel gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Aber ich möchte auch hier wieder auf deine Instinkte hinweisen. Für mich hat sich das erste Anlegen einfach genau richtig angefühlt. Sicher hat es wehgetan und meine Brustwarzen mussten sich erst an diese „Belastung“ gewöhnen, aber das war alles nebensächlich. Es war ein unfassbar schönes Gefühl und war einfach richtig. Ich wusste genau, so muss es sein.

 

Es gibt aber auch viele Frauen die berichten, dass sie sich unwohl fühlen beim Stillen und das bereits ab dem ersten Anlegen. Ich möchte natürlich nicht dazu aufrufen sofort aufzugeben. Wenn es körperliche Probleme gibt, sich der Stillprozess aber an sich richtig anfühlt, dann bitte kämpfe. Es lohnt sich und wird bestimmt leichter. Wenn es sich aber eigenartig, komisch oder auf irgendeine andere Art falsch für dich anfühlt, dann bitte quäle dich nicht. Das Gefühl alleine, dass es so das Beste für dein Kind ist reicht nicht aus um eine gute Stillbeziehung aufzubauen. Der Spruch „nur eine glückliche Mutter ist eine gute Mutter“ hat schon einen erstaunlich großen wahren Kern. Wenn es dich stresst und du dich unwohl fühlst beim Stillen, dann spürt das auch dein Baby. Ich bin der festen Überzeugung, dass so etwas eurer Beziehung viel mehr schadet als wenn auf Flaschennahrung umgestellt wird. Viel Nähe und Geborgenheit bekommt dein Schatz auch so. Außerdem kannst du auch mit der Flasche nach Bedarf füttern, das halte ich für sehr wichtig. So kann sich der Magen deines Babys langsam an das Essen gewöhnen kann und auch die Größe des Magens wächst langsam und wird nicht sprunghaft ausgedehnt. Ich halte nichts davon Babys einfach „vollzustopfen“. Das schadet nachweislich der Gesamtentwicklung der Kinder. Außerdem wird so die Verdauung deines Babys schnell überfordert. Diese hat die erste Zeit sowieso genug damit zu tun sich an „feste“ Nahrung zu gewöhnen. Im Mutterleib wird es quasi nur mit den Nährstoffen versorgt, aber ein klassisches Essen wie wir es kennen gab es da noch nicht.

 

Tragen oder Kinderwagen?

Auch bei diesem Thema erhitzen sich die Gemüter sehr schnell. Ich würde hier jeder Mama und auch jeden Papa raten, abzuwarten bis das Baby da ist und sich sowohl eine Trage als auch einen Kinderwagen auszuborgen. Ich habe artig einen super tollen Kinderwagen gekauft und als mein Sohn das erste Mal drinnen lag, dachte ich nur daran wie falsch es sich anfühlt ihn da so vor mir herzuschieben. Ich wollte ihn bei mir haben, am liebsten die ganze Zeit. Natürlich gibt es Ausnahmen wie aufs Klo gehen und duschen, da ist man ja dann doch lieber mal für sich. Aber ich habe mich sicherer gefühlt wenn er direkt an meinem Körper war. Schließlich war er 9 Monate in meinem Bauch und ich hatte das Gefühl wenn er da so weit weg alleine in seinem Kinderwagen liegt kann ich nicht auf ihn aufpassen. Zusätzlich war es so, dass er es eigentlich nie wirklich akzeptiert hat. Er hat sich offensichtlich nicht wohl gefühlt und immer sehr schnell zu weinen begonnen. Ob das am Ende eine Reaktion auf mein Unwohlsein war oder von ihm ausgegangen ist werde ich nie erfahren und es ist auch nicht wichtig. Wenn er in der Trage war, waren sowohl ich als auch er super entspannt. So konnte ich stundenlang Spazierengehen und alles erledigen ohne, dass es für mich oder ihn Stress bedeutet hätte. Glücklicherweise hat uns meine Schwiegermutter zur Geburt auch eine richtig gute Trage geschenkt. So konnte ich schnell eine Alternative zum Kinderwagen ausprobieren.

 

Auch hier gibt es unzählige Quellen die darüber schreiben wie toll und wertvoll das Tragen ist. Es ist natürlich, hilft deinem Baby bei der Regelung der Körpertemperatur, unterstützt den Bindungsaufbau zwischen Mutter und Kind und noch vieles mehr. Aber auch hier muss ich dir sagen – ausprobieren. Du merkst ganz klar was das Richtige ist, oder ob du vielleicht sogar beides kombinieren möchtest.

 

Es gibt genug Mama und Kind Teams bei denen sich beide mit einem Kinderwagen wohler fühlen. Entscheidend ist hier, dass dich dein Baby immer ansehen kann, alles andere wären zu Beginn viel zu viele Eindrücke und dein Kind wird schnell überfordert. Ich habe mich immer gefragt warum es meinem Baby nicht gefallen kann in so einem Wagen herumgeschoben zu werden. Es ist gemütlich, das Baby liegt geschützt drinnen und hat immer Blickkontakt zur Mama. Natürlich musst du auf Sonnenschutz achten und darauf das deinem Schatz nicht zu kalt oder zu warm ist. Aber hier hilft nur immer wieder kontrollieren. Das Temperaturempfinden ist wirklich sehr unterschiedlich. So schwitzen manche Kinder schon bei 23 Grad im Kinderwagen mit kurzen T-Shirts und andere brauchen bei denselben Bedingungen noch drei Schichten mehr an. Wenn du zu den glücklichen zählst und dein Kind mag beides ist es natürlich optimal. So kannst du deinen Körper entlasten und mit dem Kinderwagen Spazierengehen und wenn du merkst, dein Schatz oder du brauchen mehr Nähe, ihn einfach in die Trage geben. Es heißt nicht, dass wenn du und dein Baby lieber den Kinderwagen mögt, dass ihr automatisch weniger Nähe bekommt. Du kannst mit deinem Kind reden oder ihm etwas vorsingen. Und du bist ihm natürlich immer noch am vertrautesten. Einfach ausprobieren was für euch der beste Weg ist.

 

Ich war sehr froh, dass sich meine Schwiegermutter schon sehr mit dem Thema beschäftigt hat (hat selbst getragen) und ein qualitativ hochwertiges Produkt gekauft hat. Ich selbst wäre vermutlich überfordert gewesen. Beim Kinderwagen ist es leicht, da geht es in erster Linie um den Komfort der Eltern der den Preisunterschied macht, aber bei Tragen ist es schwieriger. Es findet, wie leider immer beim Thema Kinder, viel Fehlinformation und Abzocke statt. Es gibt auch wirklich viel Blödsinn zu kaufen. Deshalb rate ich dir, bitte informiere dich ausgiebig, damit du eine Trage verwendest die auch wirklich die Vorteile hat die das Tragen mit sich bringt. In meinem Artikel „Beste Trage für Neugeborene“ (bei Interesse hier nachzulesen) findest du drei Tragen vorgestellt mit denen du auf keinen Fall etwas falsch machen kannst. Zwei davon habe ich selbst verwendet. Du musst dir auch nicht gleich eine kaufen, meistens gibt es die Möglichkeit sie von einer Trageberaterin auszuborgen um herauszufinden ob 1. Tragen überhaupt geeignet ist für dich und dein Baby und 2. welche Trage dir am sympathischsten und an eure Bedürfnisse angepasst ist.

 

Wie soll mein Baby schlafen?

Was das Schlafthema bei Babys angeht verfolge ich regelmäßig hitzige Diskussionen. Auch hier muss viel ausprobiert werden. Jedes Kind ist anders und braucht etwas anderes. Manche Kinder schlafen viel ruhiger und entspannter wenn sie in ihrem eigenen Bett im Schlafzimmer der Eltern oder auch im eigenen Zimmer liegen. Natürlich sollte auch die Wahl des Schlafplatzes immer bedürfnisorientiert stattfinden und kein Baby soll weinen oder sich fürchten müssen. Was nützen alle Vorteile eines Familienbettes wenn dein Baby besser im eigenen Bett daneben schläft. Wir haben anfangs viel herumprobiert, auch in erster Linie deshalb, weil im Liegen stillen einfach nicht geklappt hat. So hat mein Sohn die ersten Monate in einem Beistellbett geschlafen und ich habe mich zum Stillen immer auf einen gemütlichen Sessel gesetzt. Mein Mann hat übrigens im Wohnzimmer geschlafen, weil mein Sohn bei jedem kleinstem Geräusch wach war. Beim Spazieren gehen in der Trage war das allerdings egal. Später als meine Narbe gut verheilt war und die Milchmengen sich eingestellt hatte, haben wir alle in einem Bett geschlafen. Das machen wir auch heute noch. Mein Sohn ist mittlerweile fast 2 ½ Jahre alt. Mein Mann ist glaube ich wieder zurück ins Bett „gezogen“ also mein Sohn so ca. 3 Monate alt war. Wenn er verkühlt ist wandert er immer noch auf die Couch aus.

Aber an sich kann ich das Familienbett nur empfehlen, vor allem weil es super praktisch war mit dem Stillen, da ich nicht einmal richtig wach wurde wenn mein Sohn Hunger oder Durst hatte. Aber das hängt auch stark vom Kind ab. Manche Kinder essen ständig oder fast durchgehend, dafür kleine Mengen und bei anderen Kindern ist der Magen früher gedehnt und sie brauchen nur noch weniger häufig etwas zu essen in der Nacht.

Gerade beim Thema Schlaf ist es auch entscheidend wie es dir damit geht. Irgendwann muss sich die Mama schließlich auch ein kleinwenig erholen können.

Wichtig ist auch hier, fühl dich nicht schlecht wenn du deinen Sohn lieber in einem eigenen Bett schlafen lässt. Eure Beziehung ist trotz allem wechselseitig. Auch deine Bedürfnisse zählen. Natürlich muss immer abgewogen werden welches Bedürfnis gerade wichtiger ist. Aber wie gesagt, vertraue darauf, dass du spürst was für euch beide das Richtige ist.

 

Die Sache mit dem Verwöhnen

Seit ich Mutter bin, habe ich das Wort verwöhnen wirklich ständig in meinem Kopf. Wenn ich immer gleich reagiere wenn mein Baby weint oder ich es immer auf den Arm nehme wenn es das verlangt. Ich hatte immer Angst mein Kind zu verwöhnen. Obwohl mir meine Erfahrung etwas anderes gezeigt hat und ich im Kopf fest davon überzeugt war, dass man ein Baby oder Kleinkind nicht verwöhnen kann, habe ich immer gezweifelt. Auch heute verfalle ich noch manchmal in „autoritäre“ Verhaltensmuster. Wenn mein Sohn scheinbar grundlos schreit und ich dann eine Antwort gebe wie zum Beispiel: „Wenn du nur schreist bekommst du nichts.“ bin ich immer wieder von mir selbst überrascht. Doch ständig habe ich diesen Satz im Kopf: „Pass auf, dass dir dein Sohn nicht auf der Nase herumtanzt.“ oder: „Der entwickelt sich sonst noch zu einem kleinen Tyrannen.“.

 

Bei diesem Thema ist es vermutlich am schwierigsten deinen eigenen Weg zu gehen. Als kleiner Tipp, gewöhne dir schnell ab dich zu erklären oder zu rechtfertigen. Du musst dich nicht rechtfertigen dafür wie du dein Kind „erziehst“ oder behandelst. Ich bin der festen Überzeugung ein Baby kann man nicht verwöhnen. NIE! Auch bei Kleinkindern habe ich die Erfahrung gemacht, dass die meisten klassischen Weisheiten nicht stimmen. Immer wenn ich in die bekanntesten Erziehungsmethoden zurückfalle, verschlimmere ich die Situation nur ganz radikal. Versuche ich aber meinem Sohn mit Verständnis und Interesse zu begegnen, mit der festen Überzeugung, dass sein Verhalten einen Grund hat, haben wir kaum Probleme. Ich meine damit natürlich nicht, dass du nicht konsequent sein oder klare Grenzen setzen sollst. Wie stark das ein Kind einfordert oder nicht ist aber ebenfalls völlig individuell. Ich bin der festen Überzeugung, kein Kind ist absichtlich unkooperativ oder macht wissentlich Dinge die es eigentlich nicht soll. Es steckt immer ein Grund hinter jedem Verhalten. Hier werde ich sehr oft kritisiert und hinterfragt, doch ich lerne langsam stark zu sein und mich nicht mehr jedes Mal in Frage zu stellen. Auch du wirst das schaffen.

 

Es gibt unzählige Beispiele aus dem Leben mit meinem Sohn in denen es diesbezüglich schwierig ist. Du wirst ständig gezwungen sein dich in Frage zu stellen und du wirst auch oft Fehler machen. Das ist auch in Ordnung. Wichtig ist, dass du es schaffst dir zu Vertrauen und dich auf die Fähigkeit dein Kind zu und seine Bedürfnisse zu kennen. Du weißt genau wie eure Beziehung gestaltet werden muss damit ihr glücklich miteinander leben könnt. Versuche immer die Gehirnwäscheanteile aus deinen Gedanken wegzuschieben. Das ist sehr schwer, aber man wird besser mit der Zeit. Mein Sohn ist mittlerweile fast 2 ½, ich stelle mich immer noch oft in Frage und muss meinen Weg häufig korrigieren. Aber im Großen und Ganzen weiß ich was für uns, und eben nur für uns, richtig oder falsch ist. Niemanden steht es zu über dich oder dein Kind zu urteilen. Es ist alleine euer Leben.

 

Distanzlosigkeit der Familie oder Fremder – Grenzen setzen

Die Distanzlosigkeit von Menschen nimmt wirklich unfassbare Ausmaße an sobald ein Baby in der Nähe ist. Fremde Menschen glauben auf einmal einen fremde Menschen (in diesem Fall dein Baby) berühren oder sogar ungefragt einen Kuss auf die Wange drücken zu dürfen. Das gilt übrigens auch für die Familie.

 

Wichtig ist, dass dir klar ist, dass du die Grenzen für dein Baby setzen musst da es das selber noch nicht kann. Es gibt Babys die sofort zeigen wenn es ihnen zu viel wird, aber es gibt auch Babys die einfach still sind und selbst kein sichtbares Signal setzen. Anfangs wirst auch du dir schwer tun die Grenzen deines Kindes zu erkennen, aber du wirst es lernen. Das gilt übrigens auch für Kleinkinder. Niemand gibt ungefragt einen Kuss oder nimmt ein Kind einfach in den Arm. Wenn es sich unwohl fühlt und weg möchte muss das auch möglich sein. Habe keine Hemmungen selbst deiner eigenen Mama dein Kind aus dem Arm zu nehmen wenn es sich offensichtlich nicht wohl fühlt. So stärkst du das Urvertrauen deines Kindes und es lernt, dass es sich auf voll und ganz dich verlassen kann. Das wiederrum fördert jegliche Entwicklung deines kleinen Schatzes.

 

Auch wenn du es vielleicht jetzt noch nicht glauben kannst, weil du selbst solche Erfahrungen noch nicht gemacht hast, aber ein Baby ist ein Magnet. Jeder kommt sofort und will es sich ansehen, selbst wildfremde Leute. Du bist für die Menschen unsichtbar. Die ersten Male wirst du vermutlich sehr perplex sein und nicht so recht glauben können was da gerade passiert ist, aber mit der Zeit lernst du schlagfertiger zu sein und klare Grenzen zu setzen. Wenn du siehst das jemand auf dich zu kommt und dein Baby ist im Kinderwagen, stelle dich einfach immer direkt zwischen den Wagen und die Person. Wenn du dein Kind in der Trage hast, drehe dich weg. Ja du wirst es nicht glauben manche fremden Menschen kommen fast auf Kuschelnähe zu dir und lassen sich auch nicht beirren wenn das Baby in der Trage gerade gestillt wird.

 

Ich selbst habe unzählige solcher Momente erlebt und viel daraus gelernt. Doch eine Anekdote möchte ich dir nicht vorenthalten. Sie ist jedoch von meiner Schwiegermutter. Sie hat ihren Sohn (meinen Mann) meistens in der Trage getragen und es kam eine ältere Dame direkt auf sie zu und hat begonnen ihren Sohn über die Wange zu streicheln. Daraufhin hat meine Schwiegermutter einfach unkommentiert die Hand ausgestreckt und den Kopf der Frau gestreichelt. Wie empört die war kannst du dir vermutlich denken. Aber ich fand die Idee wirklich es superkreativ, denn genau genommen hat sie ja nur dasselbe getan wie die aufdringliche distanzlose Dame. Bei einem erwachsenen Menschen würde niemals jemand auf die Idee kommen auch nur näher als nötig an ihn heran zu gehen wenn man ihn nicht kennt. Bei Babys glauben alle Menschen absolute Narrenfreiheit zu besitzen. Wie sich das erklären lässt kann ich leider nicht sagen. Vermutungen hätte ich viele, unter anderem das Babys oder Kinder leider immer noch häufig nicht als vollwertige Menschen angesehen werden. Das finde ich wirklich traurig. Deshalb ist es umso wichtiger, dass du als Mutter dein Baby schützt und klare Grenzen setzt.

 

Zusammenfassend möchte ich noch Folgendes sagen:

Vergiss niemals, Mama sein ist kein Sprint, es ist ein Marathon. Du musst wirklich sehr sehr lange durchhalten. Deshalb vertraue auf dein Bauchgefühl und deine Intuition aber achte auch auf dich und deine Grenzen und Bedürfnisse. Sei nicht die perfekte Mutter, die nach vier Monaten ein Burnout hat. Davon hat niemand etwas.

Hab keine Angst davor deinen eigenen Weg für dich und dein Baby zu finden und diesen auch zu gehen.